| Name: mauerblümchen |
27.12.2003 - 07:34   |
Erotisches Wechselspiel Sie lagen hinterm Gartenzaun und waren lieblich anzuschaun. Fürwahr, ein Pärchen wundervoll, die Gurke Knill und Kürbis Knoll. Er schielte schon seit langer Zeit verliebt hin zu der Gurkenmaid und brachte ihr ein Ständchen still: "Dein ist mein Herz, geliebte Knill." Sie aber sagt mit stolzem Blick: "Nee, nee, Sie sind mir viel zu dick. Verehrter Herr, Sie sind wohl toll. Das Fett muß weg, mein lieber Knoll!" Er grämte sich und härmte sich und schwärmte innig-minniglich. Er schwoll und schwoll noch Zoll um Zoll. Schwermütig weinte Kürbis Knoll. Doch nach und nach und mit der Zeit war aus der schlanken Gurkenmaid ein ganz verschrobenes Idyll, und Runzeln kriegte Fräulein Knill. So kam denn auch im Lauf der Zeit der Ausgleich der Gerechtigkeit. Sie wölbte sich und wurde krumm, und Wärzlein wuchsen ringsherum. Die Warzen wuchsen schnell heran und an den Warzen Borsten dran. Auch Falten kamen ebenso vorn an der Nase und am Po. In einer lauen Sommernacht ihr Hochmut ward zu Fall gebracht. Sie seufzt: "Wenn du noch willst - ich will." Da grinste Knoll, es schmollte Knill. Der dicke Kürbis neckte sie: "Schön siehste aus, du Borstenvieh. Das kommt davon, siehst du, mein Gold: Warum hast du nicht längst gewollt?" Sie schlug verschämt die Augen zu und lispelte: "Ach, du Loser,du." Bald färbt der Herbst die Blätter braun, und es wird still am Gartenzaun. Der Gärtner pflückt die Körbe voll, er pflückte Knill und auch den Knoll. Nun schwelgten beide, Kopf an Kopf, vereint im großen Einmachtopf, in Zucker, Essig, Öl und Dill, sowohl der Knoll wie auch die Knill. So geht es auch im Leben oft: Was man erwünscht und was man hofft, das kommt so - wie es kommen soll, genau wie hier bei Knill und Knoll. Die Schönheit schwindet mit der Zeit. Die Liebe währt in Ewigkeit bei Gurken und bei Damen. Amen (Fred Endrikat) |
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| Name: Hannelore Lüdtke |
26.12.2003 - 18:03   |
Dieses Gedicht ist eine Überlieferung von Frau Ruth Baer, sie war Oberstudienrätin. Am 28.02.1925 geboren und am 20.07.1974 verstorben. Alle, die sie kannten haben sie geliebt. Das Märchen vom Storch Tret’ ich neulich im Dämmerschein Ganz leis’ ins Kinderzimmer ein. Hab schnell mir ein Lauschereckchen ausgewählt, Wollt’ hören, was sich mein Pärchen erzählt. Und wie ich stehe und wie horch, da richtig - da kommt die Geschichte vom Storch. „Mein Liesel“, spricht Hans mit viel Bedacht, „Der Storch hat uns beide nicht gemacht, der hat sich gar nicht um uns gequält, Mama hat mir’s neulich selber erzählt. Das mit dem Storch sind alles nur Sagen, dass er uns in seinem Schnabel getragen. Und dass er die Mutter ins Bein gebissen? Na, davon müsste sie doch auch was wissen. Und das wir vorher lagen im Teich, ‚s ist alles nicht wahr, ich dacht’s mir gleich.- In Wirklichkeit ist es viel schöner, du, da liegt so ein Kindlein ganz in Ruh’, so lang es noch zart ist und winzig klein, an Mutter’s Herzen, du, das ist fein. Die Mutter muss das Kindlein hegen, sie darf sich nur ganz sacht bewegen, dass sie ihm keinen Schaden tut, so lang’s an ihrem Herzen ruht. Allmählich wird das Kindlein groß, es macht sich von der Mutter los, sie leidet dabei viele Schmerzen, es löst sich ja von ihrem Herzen. Doch schön ist’s, wenn das Kind erst da, da freut sie sich und schenkt’s Papa.“ Liesel hat schweigend zugehört, den großen Bruder nicht gestört; Jetzt hebt sie zu ihm das kleine Gesicht Und ernsthaft sie die Worte spricht: „Eins kann ich dabei nicht verstehen, warum muss das immer der Mutter gescheh’n? Kann das Kind nicht Vater am Herzen liegen, können Papas keine Kinder kriegen?“ „Ach nein“, spricht Hans, der kluge Mann, „Das geht doch ganz und gar nicht an, sie wären ja sicher dazu bereit, haben aber zu wenig Zeit!“ „Und dann“, spricht Liesel, und sie lacht: „Papas bewegen sich nicht so sacht, ich sah es neulich selbst mit an; sie springen von der elektrischen Bahn, laufen hinterher oft ganze Strecken, da würde das Kindlein sich schön erschrecken, da ist’s doch besser bei Mama! Oh, sieh mal Hans, da ist sie ja!“ Und beide hatten mich schon umschlungen, rechts hab ich das Mädel und links den Jungen; und als ich mich zu guter Letzt zu ihnen ins Schlummereckchen gesetzt, spricht Liesel mit strahlendem Augenpaar: „Mutti, was Hans sagt, ist das wahr? Als ich ganz klein gewesen bin, war ich da bei dir im Herzen drin?“ Fest schmiegt sie sich in meinen Arm hinein, „Mutti! Wie schön muss das gewesen sein!“ |
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